Hier kommt nun das kleine 1x1 der Käferszene:

 

Rat Look

Zuerst fand man diese Stilrichtung an Motorrädern und Hot Rods. Bei den deutschen Käfer-Fahrern ist dieser Look erst Ende der 90er so richtig in Mode gekommen. Als Basis können alle luftgekühlten VW herhalten.
Absolut unverzichtbar für einen Rat Looker ist das gammlige Äußere. Rost ist hier willkommen, Durchrostungen die Krönung. Der Lack sollte wenn möglich über Jahre von der Sonne gebleicht sein, die Dichtungen spröde und der Chrom pickelig. Nachträglich gealterte Wagen sind dagegen eher verpönt, es sei denn sie sind tatsächlich perfekt auf Alt getrimmt. Im Innenraum muss es natürlich entsprechend dem Aeusseren ähnlich wild zugehen. Wer hier nicht auf einen Schalensitz verzichten möchte, der sollte sich etwas Zeitgenössisches suchen, das vom Zustand her zum Rest des Autos passt.
Einzig die Technikteile im Innern dürfen neu sein. Schalthebel, Armaturen und eventuell das Lenkrad können aus heutiger Produktion stammen.
Genau so rattig, wie die Vehikel oben aussehen, muss untendrunter die Technik glänzen. Bremsen und Fahrwerk sind auf dem neuesten Stand, oder zumindest überholt. Die Felgen sollten allerdings wiederum nicht zu schrill sein, eher vom Look her dem restlichen Aussehen des Wagens entsprechen.
Für den richtigen Ueberraschungseffekt auf der Strasse sorgt ein dicker Motor, wobei es egal ist ob die Kraft von einem Typ 1 oder Typ 4 kommt. Optisch darf das Triebwerk selbstverständlich im Hintergrund bleiben, innen drin aber kann geklotzt werden. Ein entsprechend vergammelter Auspuff könnte solch eine Maschine ausgezeichnet vollenden.

Der Rat Look ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Primer-Look. Fahrzeuge dieser Stilrichtung sind im Gegensatz zu Rat-lookern auch vom Blech her gut, nur eben mit einer matten Grundierung lackiert oder gerollt.

     

German Style 

Diese Stilrichtung hat ihren Ursprung im Deutschland der 80er jahre. Als Basis können alle Käfer, Karmänner, Typ 3, Typ 4 und Busse dienen, die über eckige Stossstangen verfügen. Prädestiniert sind besonders 1302er und 1303er Käfer mit Federbein-Vorderachse, da sie dadurch ausgezeichnete Voraussetzungen für ein modernes und perfektes Fahrwerk mitbringen. Als Motorisierung kam von Anfang an nichts anderes in Frage als leistungsstarke Typ 4-Maschinen oder unter Umständen WBX-Aggregate. Beide wiederum setzen standfeste Bremsen voraus. Scheibenbremsen sind ein Muss, am besten grossformatige Modelle aus dem Porsche-Programm. Mit High Tech darf es im Fahrwerksbereich weitergehen. Federbeine hinten, adaptierte ABS-Systeme, alles ist möglich. Im Felgenbereich gibt die Stuttgarter Sportwagenschmiede ebenfalls die Vorlagen. In den frühen Tagen des German Style taten es noch 15 Zoll-Räder, meistens ATS, Fuchs, Wählscheiben oder 928er-Alus. Heute sind es eher 17- oder 18-Zoll Cup-Felgen. Auch andere Räder (mit anderen Lochkreisen) in diesen Grössen aus dem Zubehörmarkt finden ihren Weg an solche Fahrzeuge.
Aeusserlich prägten die ersten Volkswagen dieser Gattung hauptsächlich gedeckte Farben wie Schwarz, Metallicgrau oder andere dunkle Töne. In den 90ern wurden dann auch poppigere Colorierungen akzeptiert. Dazu gibt es natürlich weisse Blinker vorne und rote oder schwarze Heckleuchten.

Merkmale des Innenraums sind luxuriöse Bezüge in Leder, oftmals Armaturenbretter im 911er-Stil sowie Porsche-Instrumente und Sitze aus demselben Haus.

      

Cal Look

Der Cal Look (ausgeschrieben California Look) prägte die Käfer-Szene weltweit wie keine andere. Bereits Ende der 60er Jahre entstand diese Art des Käfer-Tunings in Orange County, einem Bezirk südlich von Los Angeles. Erst einige Jahre später wurde die Stilrichtung richtig publik, als Jere Alhadeff in der 75er Februar-Ausgabe der HOT VWs dem Kind einen Namen gab: California Look.
Die Intention des Cal Looks ist einfach: Der harmlose Käfer sollte durch den Verzicht auf unnötigen Zierrat noch unauffälliger gemacht werden und mittels eines starken Motors für überraschende Momente an der Ampel und auf dem Dragstrip sorgen. Der Look entwickelt sich ständig weiter und hat bislang drei Dekaden durchlebt.

Geeignet ist jeder Käfer, Karmann, Typ 3 oder Bus mit runden Stossstangen, aber auch 68er oder 69er Käfer mit eckigen Stossfängern. Normalerweise wurden sämtliche Zierleisten von Karosse und Scheibendichtungen entfernt, Scheinwerferringe lackiert, Dreiecksfenster lackiert oder ganz weggelassen und gegen einteilige Türscheiben getauscht.
Wenn Stossstangen zum Einsatz kamen (meistens T-Bars oder Buggy-Bars), dann hauptsächlich ohne Hörnchen, auf keinen Fall jedoch Exportstossstangen.

Die Farbauswahl beschränkte sich auf Originalfarben oder zeitgenössische Farben, beispielsweise von Porsche. Auf jeden Fall wurden die Fahrzeuge einfarbig lackiert.
Im Innenraum waren Modifikationen durchaus an der Tagesordnung. Sportsitze fanden Verwendung und auch die Armaturenbretter wurden geändert und mit Zusatzinstrumenten versehen. Sportlenkräder und -schalthebel gehören selbstverständlich auch dazu. Tieferlegungen gab es nur vorne, um die berühmte Nase Down-Optik zu erhalten, wie sie üblicherweise Drag Race-Autos zeigten. An Felgen ging alles, was es damals gab und auf Käfer- oder Porsche-Lochkreis passte.
Adapter für andere Lochkreise waren genauso verpönt wie vollpolierte Räder.
Wichtig war natürlich auch der Motor. Auf Grund der damaligen Möglichkeiten galten 2 Liter-Maschinen schon als sehr gross, kleine, giftige 1,8 Liter waren zunächst die Norm. Grundsätzlich galt jedoch: Nur Typ 1-Motoren!
Bei den Rädern konzentrierte sich (fast) alles auf die klassische Fuchs-Felge, mittlerweile aber vollpoliert. Mit der neuen Zeit hielten auch Niederquerschnitt-Reifen Einzug. Motorseitig gab es einen grossen Rückschritt. Leistung war relativ unwichtig geworden, die Optik zählte. Chrom und durchsichtigen Kunststoff gab es bis zum Abwinken.

         

Resto Cal Look

Noch nicht so alt ist die Geschichte des Resto Looks. Erst Ende der 80er entstand diese Stilrichtung - wahrscheinlich in England. Resto steht für den englischen Begriff Restoration, also Restauration. Sämtliche Käfer, Karmänner, Typ 3 oder Busse mit runden Stossstangen eignen sich hierfür. Die Karosserie bleibt völlig unangetastet, sie behält demnach alle Chromteile. Hier ist es eher so, dass noch mehr glänzende Teile an die Karossen drankommen. Sehr beliebt ist der Chromschmuck für die Lüftungsschlitze, Bumperbars sowie polierte Steinschlagecken. Ein Dachgepäckträger mit Holzlatten ist fast schon Pflicht. Darauf machen sich zeitgenössische Cooler und Picknick-Koffer gut. Generell finden nur originale Karosseriefarben Verwendung. Pastelltöne und poppige Farben sind nicht erwünscht. Ebenso vorsichtig wird die Innenausstattung verändert. Sitze und Türverkleidungen bleiben original erhalten oder werden entsprechend aufgearbeitet.

Dazu gesellt sich jede Menge Zubehör aus den 50ern und 60ern. Angefangen bei alten Petri-Lenkrädern über skurrile Kaffeemaschinen für den Zigarettenanzünder bis hin zu Suchscheinwerfern.

      

 

Und damit man sich bei diversen "Benzingesprächen" leichter tut -

die wichtigsten Veränderungen des Käfers im Laufe der Jahre:


1945 bis 1948 Limousine

1949 Export-Modell, Hochglanzlackierung, Chromzierstreifen, vorderes Deckelschloss von innen zu öffnen

1950 Zugfreie Belüftung (Aussparung in den Seitenscheiben), Fertigungsbeginn des Schiebedaches

1951 Seitliche Ventilationsklappen

1952 Reifen 5.60 - 15, Schwenkfenster, geänderte Stossfänger und -hörner, zwei Bremsleuchten kombiniert mit

            Schlusslichtern und Rückstrahlern, Dreiecksfenster in den Türen beim Exportmodell

1953 Brezelfenster wird durch grösseres Ovalfenster ersetzt, Mittelsteg entfällt

1955 Doppelauspuff, PVC-Schiebedach, neue Brems-, Schluss- und Rückstrahlleuchten an den hinteren

            Kotflügeln höher angebracht.

1957
Grösseres Heckfenster und Windschutzscheibe, neue Form des hinteren Deckels, Kennzeichenleuchte mit

              wannenförmiger Streuscheibe, neugestaltetes Armaturenbrett

1958 Grosser Aussenspiegel

1959 Feststehende Türgriffe und Drucktasten, 65 Prozent grösserer Kofferraum

1960 Scheibenwaschanlage, asymmetrisches Abblendlicht, Blinker

1961
Zweikammer-Schlussleuchte

1963 Stahlkurbeldach, breites Gehäuse für die Kennzeichenleuchte, Geänderte Form der vorderen Blinkleuchten

1964 Vergrösserte Fensterfläche, Scheibenwischer in Ruhelage links, Motordeckel mit Druckknopfverschluss

1965
Standardmodell 1200 A erhält 34 PS-Motor, VW 1300, Lochscheibenräder, flache Radkappen

1966
Standardmodell 1300 A ersetzt 1200 A, VW 1500, Spurverbreiterung hinten, geänderter hinterer Deckel,

             geänderte Kennzeichenleuchte, schmalere Zierleisten, neue Türschlösser

1967 "Sparkäfer" VW 1200 mit 34 PS-Motor, Frischbelüftung, Dreipunktbefestigung für Sicherheitsgurte an allen

             Sitzen, Bedienungsknöpfe aus Kunststoff, verstärkte Stossfänger, aussenliegender Kraftstoffeinfüllstutzen

             an der rechten Seite

1968 geänderte Klappe des Kraftstoffeinfüllstutzens

1969 Geänderte Felgen

1970 Einführung Modelle 1302 und 1302 S, 1302 auch als Cabriolet, zusätzlich 1302 Limousine mit grösserem

             Kofferraum und verändertem Vorderwagen, Motorleistung 50 PS, Federbeine vorn

1971 Verbesserte Entlüftung, zusätzliche Luftschlitze im Motordeckel, Vergrösserung Heckfenster

1972 "Panorama-Käfer" VW 1303: Panoramascheibe, vergrösserte Rückleuchten

1974 Blinkleuchten vorn in Stossfänger integriert

1975 VW 1200, schwarz lackierte Stossfänger, schwarze Kotflügelkeder, VW 1200 L, verchromte Stossfänger

            mit Gummileisten, verchromte Radkappen, Rückfahrleuchten, Zwangsentlüftung

1976
VW 1200 L aus Mexiko: verchromte Stossfänger und Radkappen, Rückfahrleuchten, Zwangsentlüftung,

            aufgewertete Ausstattung mit gepolsterter Schalttafel und verstellbaren Kopfstützen an Vordersitzlehnen,

            Dreipunkt- Automatik-Sicherheitsgurten vorn, statischen Beckengurten im Fond, beheizbarer Heckscheibe

            sowie Gürtelreifen

1979 Austausch der Radzierdeckel gegen Staubklappen

1980 Einführung des 2-Speichenlenkrades, integrierte Kopfstützen bei den Vordersitzen

1982 Rückkehr zu Radzierdeckeln, justierbare Kopfstützen

1984 Entfall der Belüftungsschlitze in der Fronthaube sowie Regelungsknöpfe in der Schalttafel

1985 Einführung von Sicherungsmassnahmen gegen Diebstahl

1986 Erneute Einführung der Staubklappen mit Radmutternabdeckung

1988 Übernahme des Golflenkrades; Beleuchtung Motorraum, elektronische Zündung

1989 Innenspiegelbefestigung an der Windschutzscheibe, bewegliche Sonnenblende auf der Beifahrerseite

1990 Schalttafeländerung, Entfall eines Endrohres mit Änderung des Abschlussbleches, Zweikreis-Bremssystem

1991 Automatik-Sicherheitsgurte und Beckengurte hinten, Warnleuchte für Zweikreis- Bremssystem

1992
schwarze Aussenspiegel, Stossfänger in Wagenfarbe, Sondermodelle

              z.B. Käfer Summer (grüner und blauer Lack), ein Auspuffrohr

1993/94 Scheibenbremsen vorn, Schalldämm-Paket

1995 Aussenspiegel, Türgriffe und -schlösser, Drehfenster-Rahmen und Zierleisten in schwarz,

             Stossfänger und Scheinwerferringe in Wagenfarbe, Radio-Frequenz- Alarmanlage, VW-Logo auf dem

             vorderen Deckel.

1996 Leistung des 1600er Motors auf 40 kW (54 PS) gesteigert

1997 Katalysator überarbeitet

2003
"Última Edición", am 31.7. läuft der letzte Käfer vom Band

 

All die oben angeführten Texte stammen vom Käferclub Limmattal aus der Schweiz (www.kaeferclub.ch)

Die Bilder sind teils von mir - teils von Bekannten bzw. aus dem Internet.

 

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